Die Provinz Almeria Vol. 2
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Mit den freien Gedanken bald wohl wieder reisen zu können, kommt auch der Mut etwas anzugehen was wir schon in Hamburg immer mal wieder überlegt haben. Wir haben in der Nähe von unserem Campingplatz eine Wakeboardanlage gefunden, waren dort auch schon mal nur um zu gucken bzw. zu wandern. Jetzt sollte es soweit sein, wir hatten einen Termin vereinbart, eine Stunde nur wir zwei auf der Anlage. Oh man, uns ging die Muffe. Egal, es war Zeit für Abenteuer, also los. Zuerst mal lernten wir, Anfänger nehmen ein Kneeboard um ein Gefühl für die Anlage zu bekommen. Ganz ehrlich, nicht viel ergibt mehr Sinn wie sich dann herausstellte. 5 Minuten Einweisung, dann ging es schon los. Helm auf, Schwimmweste an, aufs Board geschnallt und abwarten bis wir aufs Wasser gezogen wurden. Und BÄM! es funktioniert, kein Sturz, sondern „surfen“ auf den Knien die lange Strecke entlang bis zur Kurve, jetzt lenken und dann zieht die Anlage dich rum und die Arme lang, ok, das ist ein Kraftakt, egal, jetzt wieder lang geradeaus und dann loslassen, erste Runde geschafft, glücklich paddeln wir an Land. Beide haben wir unsere erste Runde problemlos geschafft, das gibt ein Lob. 🙂 Okay, gleich nochmal das macht richtig Spaß, denkt der Kopf, die Arme sagen schon, man man lange nicht trainiert. Trotzdem, raus aufs Wasser, wie toll!! Jetzt schaffen wir sogar schon 2 Runden am Stück aber es wird in jeder Kurve härter die Hantel zu halten, so stark ist der Zug. Toller Sport oder auch tolles Ganzkörpertraining. Wir sind völlig k.o. aber sehr glücklich es gemacht zu haben, jetzt wissen wir wie es sich anfühlt und werden es sicher auch nochmal probieren. Der Trainer sagt zum Schluss, euch wird alles weh tun, lacht heute noch viel, morgen geht es nicht mehr. Eine von uns merkt es schon, die andere sagt fröhlich, also noch ist alles gut. Warte auf morgen… Nichts geht mehr. Arme, Rücken, Beine, Bauch, es schmerzt an allen Ecken, Kanten und Rundungen. Wir leiden, ja tatsächlich, aber der Stolz und das Glück überwiegen, Yes, wir haben es getan.

Ein paar Tage später war ein eher bewölkter Tag angesagt, perfekt um die Wüste Tabernas zu besuchen, Drehort der guten alten Western oder auch Game of Thrones. Wir suchten uns einen Wanderweg aus und los ging es. Wir kamen an Westerndörfern vorbei, die erhaltene Originaldrehorte waren, heute finden dort Westernshows statt, in Erinnerung an diese Filme. Man kommt sich plötzlich selber so vor als wäre man in diese Zeit zurückversetzt. Insbesondere wenn man alleine vor Ort ist, erwartet man hinter der nächsten Ecke einen Trupp reitender Cowboys.

Eine beeindruckende Landschaft, mit nicht mehr bewohnten Höhlen und ausgetrockneten Flussbetten. Wir sahen frische Spuren von Wildschweinen, stiegen bergauf- und ab und dann kam eine Bergziege mit Ihrem Nachwuchs um die Ecke und beäugte uns neugierig. Wir konnten es kaum glauben, wir alleine, das war schon auch ein wenig Abenteuer, dann einfach so Tiere die um die Ecke kommen und was wir beim nächsten Mal noch besuchen ist die Oase aus dem Film „Lawrence von Arabien“. Für den heutigen Ausflug war es viel Aufregung und Anstrengung und deshalb ging es erstmal zurück zum Dicken und zurück nach Mojacar.

Mit dem Gedanken bereits im Hinterkopf das es doch weitergehen kann, stellten wir fest das wir noch keinen Abend in Mojacar Playa verbracht haben, somit hieß es zu Fuß den Berg runter und einen Cocktail am Strand trinken. Das Licht wurde zauberhaft, die Stimmung war entspannt, es gab Tapas dazu und wir haben den Moment einfach genossen nicht auf dem Campingplatz zu sein, sondern auszugehen. Wieder ein Moment der sich wie Normalität anfühlte, auch wenn wenige Gäste mit uns in der Bar waren.

Mensch, wir dürfen in der Provinz fahren, es gibt so tolle Orte am Meer, wir wollten doch auch mal freistehen, ist jetzt der Moment? Vor ein paar Tagen hatten wir den kleinen Ort La Isleta de Moro entdeckt, standen dort auf einem Parkplatz am Strand und dachten da schon, hier könnte man auch übernachten.

Somit machten wir uns auf den Weg, parkten erstmal oberhalb des Strandes, schauten uns diesen an, der Wind pfiff uns den Sand um die Ohren aber wir waren sehr begeistert. Wie immer, erstmal einen Kaffee. Was für eine Aussicht, das Fischerbötchen schaukelte auf den Wellen, die Meeresfarben ein Traum, ja, hier wollten wir für eine Nacht bleiben. Doch irgendwie fühlte es sich nicht richtig an, dann lasen wir das Schild, Camping verboten. Sollten wir bewusst die Regeln brechen? Wir entschlossen uns das es noch nicht der richtige Moment war, lagen ein bisschen am Strand, gingen schwimmen und fuhren dann wieder zurück „nach Hause“.

Während wir uns immer noch von den Erlebnissen und dem Muskelkater des Wakeboardings erholten, wurden die Gerüchte des möglichen Reisens durch ganz Andalusien lauter! Wir hörten in der gesamten ersten Juniwoche sehr genau hin und zum Ende der Woche (wir lagen gerade am Strand, waren im Meer baden) kam dann die sehr finale Aussage!!! Ab Montag, den 8. Juni 2020 wird es möglich sein unsere Provinz zu verlassen und durch gesamt Andalusien zu reisen!
Was für ein Moment. Wir hatten so oft darüber geredet, überlegt was wir noch alles sehen wollen, wenn es soweit ist und dann ist er da, der Moment!


Erstmalig wurde uns jetzt auch bewusst, wie schön es in Mojácar und auf unserem Platz mit unserer kleinen „Familie” gewesen war. Wir planten unsere Abreise für Dienstag, den 9. Juni. Vorher wollten wir noch das schöne Örtchen San José sehen, eine kleine Abschiedsfeier auf dem Platz machen und einen letzten Abend nur für uns beim besten Argentinier der Stadt genießen.
Die Tage in Mojácar waren also wirklich gezählt! Wir fingen am Samstag so langsam an unseren „Dicken“ zu packen. Auch das hatten wir in dieser Form schon ewig nicht mehr gemacht. Wie standen die Fahrräder nochmal hinten drin? Welche Kiste kommt nach links, welche nach rechts? Ist das wirklich alles unser Zeug??

Ging dann alles aber doch schneller als gedacht. Am Sonntag machten wir unseren letzten Tagesausflug, denn am Montagabend wollten wir unsere kleine Abschiedsfeier am Platz machen.
Es ging nach San José. Wieder ein so schönes Örtchen, bekannt für seine Traumstrände und das türkisfarbene Meer. Es war wirklich zauberhaft. Etwas verträumt, mit kleinen Cafés und vielen jungen Leuten.
Wir ließen uns treiben. An diesem Tag waren wir schweigsamer als sonst. Obwohl wir uns nichts sehnlicher gewünscht hatten als endlich weiterzufahren, wussten wir das dieser Abschied einer der schwersten unserer Reise werden würde!

Dann kam der Montag. Es war ausgerechnet an diesem Tag Regen angesagt und es war deutlich kühler als die Tage zuvor. Hoffentlich würde unser Abschiednehmen nicht ins Wasser fallen. Wir hatten uns überlegt, für Alle eine Erinnerung und ein Dankeschön zu überreichen! Mit unserer Polaroidkamera gab es ein Foto von uns, eingeklebt in eine Karte auf die wir ein paar liebe Worte geschrieben hatten. Wir hatten bereits am Sonntag allen von unserer Abreise erzählt und zu 18 Uhr am Montag eingeladen.
Die Wolken zogen sich zu und es wurde eine Runde in Kapuzenpulli und langer Hose, aber es war eine wunderschöne letzte Runde.
Als wir uns nach drei Stunden verabschiedeten und unsere Karten verteilten, hatten alle auch ein Andenken von uns. Jeder kam mit einem kleinen Geschenk und ganz lieben Worten zu uns. Ohne Umarmungen bedankten wir uns und gingen mit einem flauen Gefühl im Bauch ins Bett. Die letzte Nacht in Mojácar. Was würde uns jetzt erwarten? Treffen wir nochmal auf so liebe Menschen? Werden die Plätze genauso schön sein?
Am nächsten Morgen gab es noch einen frühen Kaffee und gegen 9 Uhr sprang der Motor vom „ Dicken“ an und wir rollten vom Platz. Rechts und links kamen sofort die Camper aus den Mobilen und ließen es sich nicht nehmen uns bis zum Ausgang zu winken und alles Gute hinterherzurufen.
Uff! Das war traurig. Kaum waren wir durch die Schranke gefahren und einige Kilometer auf der Straße, kamen uns die Tränen…

Wirklich Zeit zu weinen blieb uns allerdings nicht, denn etwa nach zwanzig Kilometern Fahrt stellte Anke fest, dass ein gelbes Lämpchen im Display aufleuchtete. Was war das? Kurz im Handbuch und bei Google nachgeschaut… irgendetwas mit dem Motor!!!
Nachdem wir erneut kurz einen Vater am Telefon dazu befragten, hieß es für uns Umkehren!! Zurück nach Mojácar und ab in die Werkstatt!!!
Wir hätten nicht gedacht so schnell wieder zurück zu sein.
Zum Glück war es nur eine Kleinigkeit und wir konnten mit einer Verzögerung von 4 Stunden endlich das nächste Ziel anpeilen… Adios Mojacar!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. birgit fischer

    hallo meine beiden lieblings ankes….herrlich wieder diesen bericht zu lesen….toll geschrieben und mega tolle bilder….das video von anke1 so klasse…ich weiss auch nicht….ich lach mich jedesmal schlapp….einfach der brüller…aber so großartig ihr habt euch getraut…..endlich endlich könnt ihr eure reise fortsetzen…ich freue mich natürlich ganz doll für euch…neue abenteuer warten….ich hoffe das war das erste und letzte mal dass ihr eine werkstatt aufsuchen musstet….aber es war ja nur eine kleinigkeit….und dann der abschied vom campingplatz…nach 6 wochen gar nicht so leicht den ort und die lieben menschen zu verlassen….aber bäm weiter gehts…..gute reise meine schönen…viel viel glück…denke immer an euch und liebe euch sehr……

  2. Petra Behrsing

    Es ist immer ein schönes Miterleben! Viel Spaß weiter!

    1. Anke

      Dankeschön 🙂

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