Ericeira
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Auf dem Weg von den Korkeichen zurück ans Meer hatten wir zuerst keine wirkliche Idee wohin. Doch dann tat sich ein Tipp aus den sozialen Netzwerken auf, ein Surfcamp südlich von Peniche.
Wir wollten zwar nicht wirklich Wellenreiten, aber hatten Lust auf ein paar nette Leute zu treffen und mal keinen Campingplatz im eigentlichen Sinne anzufahren. Der erste Kontakt per Telefon war schon mal sympathisch, also ging es los.
Nach zwei Stunden Fahrt standen wir da, in der Einfahrt links neben einem Maisfeld parkend. Groß schien das nicht zu sein. Direkt an der Einfahrt trainierte gerade jemand Pferde, wir stiegen aus und wurden von einer jungen Hamburgerin im easy „Slang“ begrüßt. Hey, cool dass Ihr da seid, alles echt gechillt hier bei uns, macht es Euch gemütlich, wir sind hier alle Freunde und sowieso ist alles echt peacig und easy. Wenn Ihr was braucht, findet Ihr uns hier oder beim Surfen, alles ganz gechillt!Die weiteren Gäste wurden uns dann alle mit Vornamen vorgestellt und wenn wir eine Dusche bräuchten, könnten wir ganz easy die Außendusche hier auf dem Platz benutzen.
Auf die Frage, wo wir denn mit unserem Dicken überhaupt stehen könnten, lautete die Antwort, dort wo ihr steht, steht ihr doch gut.
Bitte? Wir standen direkt in der Einfahrt, schief eingeparkt neben dem Maisfeld, dieser Platz sah noch nicht mal nach einem Parkplatz aus. Direkt einen Meter neben uns stand ein Wohnwagen, ob der noch bewohnt ist, wüsste man gerade nicht, aber wohl eher nicht. Wir baten um einen Moment Bedenkzeit. Es bedurfte nicht vieler Worte, es war schnell klar, das ist ein wenig zu gechillt und easy für uns. Wir verabschiedeten uns und hatten kein klares Ziel mehr. Obwohl, uns fiel ein Ort ein den wir schon vor geraumer Zeit mal in die engere Wahl genommen hatten. Ericeira.

Es war Nachmittag, es galt eine gute Stunde zu fahren, dann mal los. Und da war sie wieder, die Traumstraße am Meer. Immer wieder kleine Ortschaften an der einen Seite und durch das Beifahrerfenster die Küsten mit Blick auf die Wellen. Perfekt. Allein vom Fahrgefühl her hatten wir bereits die richtige Entscheidung getroffen. Kurz vor Ericeira öffnete sich der Blick auf einen traumhaften Strand mit Vans, Wohnmobilen und Wellenreitern, doch noch waren wir nicht am Ziel. Die Straße schlängelte sich einen Berg hinauf und direkt am höchsten Punkt der Straße ein kleiner Aussichtspunkt. Eine überlebensgroße Surferstatue schaut hier auf die Wellen und die Weite des Meeres. BÄM! Hier mussten wir richtig sein.
Dann die Ankunft. Der Campingplatz lag direkt an der Nationalstraße, aber wenn uns die Erfahrung eines gelehrt hat bis hierher, Nationalstraßen sind nachts in der Regel ruhig. Und auf der anderen Seite der Straße, also direkt gegenüber, Klippen, Strand und Meer. Erstmal einchecken. Zwei Nächte um in Ruhe zu schauen wie und ob es weitergeht. Kleine Vorschau, es ging erstmal nicht weiter, wir blieben ein Weilchen hier.

Leider standen wir auf diesem Platz nicht wirklich kuschelig, die Seitentür öffnete sich für uns zur Durchfahrtsstraße, aber der Blick war unfassbar. Also der Blick vorne raus bzw. wenn wir vor dem Dicken saßen. Wir schauten aufs Meer, morgens, mittags und abends. Und abends, mit Sonnenuntergang. Direkt vor uns versank sie im Meer. Das war doch unglaublich. Das bereits im letzten Beitrag „Weiter Richtung Norden“ beschriebene Ankommen-Prozedere wurde schnell erledigt und dann ging es direkt runter vom Platz, über die Straße und ab ans Meer! Wir wussten überhaupt nicht wo wir zuerst hinschauen sollten. Kleine Buchten mit wenigen Touristen, Surfschulen und grundsätzlich Surfer im Wasser egal wo wir hinschauten. Die Sonne färbte die Felsen gelb und rot.

DAS passte perfekt. Den ereignisreichen Tag rundeten wir mit einer Pizza ab, die wir in einem urigen Pizzawagen nur wenige Meter vom Dicken erstanden. Sehr glückselig zogen wir uns nach diesem Tag zurück. Die Nacht war ruhig, man könnte meinen, keine Nachbarn, keine Straße, einfach Ruhe.

Am nächsten Tag erkundeten wir das Fischerdörfchen Ericeira. Wir schlenderten zu Fuß von unserem Platz am Meer entlang, vorbei an einem atemberaubenden Blick auf Wellenreiter nach dem anderen. Die Klippen und Wellen sind hier wirklich beeindruckend. Und dann kamen wir in ein kleines zauberhaftes Örtchen. Blauweiße Häuser, enge Gassen und kleine Lädchen. Dieser Ort ist immer noch geprägt von der Fischerei und es herrscht eine beschauliche Atmosphäre. Wir fühlten uns sehr schnell Zuhause hier. Es war klar, von hier aus können wir einige Ausflüge machen und dieses Dörfchen einen Moment länger genießen als nur ein paar Tage.
Der Abend zurück am Dicken endete mit einem Getränk in der Hand den Sonnenuntergang genießend. Allerdings war hier eine Sache neu. Der Hochsommer schien sich ganz allmählich zu verabschieden. Es wurde spürbar kühler. Saßen wir bis vor ein paar Tagen noch gemütlich mit Kapuzenpulli vorm Dicken, wurde es hier schnell sehr frisch. Der Atlantik brachte viel mehr Feuchtigkeit mit sich und wir verschwanden kurz nach acht Uhr schon im Auto. Auch am nächsten Morgen konnten wir spüren, wie sich hier an der Küste das Wetter bemerkbar macht. Das Meer war nicht zu sehen. Eine riesige Nebelwand hing bis vor unsere Windschutzscheibe und verzog sich erst im Laufe des Vormittags. Ebenso neu waren die Strandtage. Es war zwar durchaus möglich in der Sonne am Strand zu liegen um ein Sonnenbad zu nehmen, ein Bad im Meer allerdings war nicht mehr in voller Länge möglich (es sei denn, man ist abgehärtet). Es war ziemlich frisch im Wasser und wir tauchten immer nur für kurze Abkühlungsmomente unter um dann schnellstmöglich von der Sonne wieder aufgewärmt zu werden.

Von Ericeira aus haben wir verschiedene Ausflüge gemacht. Zuerst ging es südlich an der Küste entlang bis zum Strand von Guincho. Diesen Tipp hatten wir bereits in Tarifa erhalten und die Strände hier sind definitiv einen Besuch wert. Wie unterschiedlich und beeindruckend so viele unterschiedliche Strände sein können, hätten wir vor unserer Reise auch nicht gedacht. Es ist jedes Mal aufs Neue wieder faszinierend auf die Wellen zu schauen und zu staunen. In Guincho hatten wir das erste Mal bis zu fünf Meter hohe Wellen. Wir gingen mit viel Respekt bis runter an den Strand und standen sprachlos vor den gewaltigen Wassermassen. Natürlich sollte auch hier das Selfie nicht fehlen. Wir positionierten uns nebeneinander, noch ein kleines Stück weiter in Richtung Meer, damit man auch die Wellen gut aufs Foto bekommen kann und dann war es auch schon passiert. Eine Welle hatten wir unterschätzt und standen bis zum Hintern im Wasser!!! Sogar die Kamera bekam leider eine Dusche, zum Glück nichts passiert. Wir selber mussten uns ebenfalls trocknen lassen und setzten uns mit nasser Hose und Rock an den Strand in die Sonne und warteten.
Unglaublich wie riesig diese Wellen bis an den Strand schlugen…

Ein weiterer Tipp war die Lagune von Obidos. Hier sollte es eine Schule fürs Windsurfen geben und wir waren neugierig ob wir eventuell nochmal eine Chance bekämen, unsere Kenntnisse auf dem Brett zu vertiefen.
In der Tat befindet sich in Obidos eine kleine Windsurfoase, allerdings ist die Atmosphäre eher wie surfen an einem Baggersee. Also schon auch schön, aber wir hatten eben noch die Bilder von Tarifa im Kopf und konnten uns hier nicht so richtig begeistern. Obidos selber ist ein beeindruckendes Örtchen, mit einer tollen, alten Stadtmauer, die wir nur von der Ferne aus dem Auto bestaunen konnten.

Der dritte Ausflug führte uns nach Peniche. Hier sollte es die sogenannten Tubewellen geben, wo man Bodyboarder beim Sport beobachten kann.
Nach anderthalb Stunden Fahrt kamen wir in Peniche an. Wir wollten die Stadt zu Fuß erkunden und machten uns auf den Weg ins Zentrum. Wo das allerdings zu finden sein sollte, war unklar. Wir liefen eine Stunde durch die Straßen und kamen am Ende am Hafen an. Unzählige Touristen, Restaurants, Kneipen und hässliche Snackbuden begrüßten uns. Was war das? Gab es hier kein wirkliches Stadtzentrum und wo waren
die Strände?
Wir waren enttäuscht und konnten nur mutmaßen, wo der Hauptstrand mit den besonderen Wellen sein könnte. Nämlich nochmal eine Stunde Fußmarsch in die entgegengesetzte Richtung.
Erschöpft von den letzten Tagen und der vielen Bewegung entschieden wir uns dieses Mal dagegen und fuhren wieder zurück auf unseren Platz. Im Nachhinein erfuhren wir in verschiedenen Artikeln zum Örtchen Peniche, dass diese Stadt sehr lieblos daherkommt und man wohl erst auf den zweiten Blick, die interessanten Ecken erkunden kann. Dann eben beim nächsten Mal…

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