Sabbatical in Zeiten von Corona – 14 Tage @home
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Unser Plan bis nach Andalusien zu fahren um dort, sollte es zu Reisebeschränkungen kommen, erstmal zu bleiben erwies sich als die ultimativ richtige Entscheidung. Gott sei Dank hatten wir noch im Vorfeld telefonisch und schriftlich ein OK zur Anreise bekommen. Denn keine 24 Stunden später wurde der Campingplatz vorsorglich geschlossen, es durfte niemand mehr anreisen. Danach überschlugen sich die Ereignisse, wir versuchen hier mal ein bisschen was zusammenzufassen.
Die Rezeption war bei unserer Ankunft geschlossen, wir suchten uns ein schönes Plätzchen und checkten dann später bei 3 kuriosen aber entspannten Berliner- und süddeutschen Damen ein. An den ersten 2-3 Tagen lernten wir unsere Nachbarn kennen, Deutsche, Briten, Holländer, die meisten seit gut 6 Monaten hier, Rentner im Wintercamping. Wir wurden beäugt, freundlich begrüßt und kamen auch selbst erstmal an. Wir hörten am Ankunftstag der Strand sei jetzt abgesperrt aber noch könnte man wenigstens an der Promenade spazieren gehen. Das taten wir, zum ersten und bis jetzt auch zum letzten Mal. Das Bild was sich dann auftat war schon surreal, die Zugänge zum Sandstrand waren mit rot-weißem-Band gesperrt, sowas hatten wir noch nicht gesehen. Die Stadt selber war wie ausgestorben, trotz Sonnenschein niemand auf den Straßen. Was genau es mit der so genannten Ausgangssperre auf sich hatte, war für uns zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zu erahnen. Von nun an häuften sich die Informationen und Neuigkeiten, aber natürlich auch die Gerüchte. Waren bis dato noch alle Camper mehr oder weniger tiefenentspannt, wurde es täglich unruhiger und der Platz leerer. Nach und nach reisten Camper ab.
Aber nach der Reihe. Was hieß Ausgangssperre nun genau? Die einzigen Wege die uns bis zum heutigen Zeitpunkt erlaubt sind, sind die zum Einkaufen, zur Apotheke oder zum Arzt, sofern wir einen benötigen. Wer einen Hund hat, darf diesen Gassi führen, ansonsten keine Spaziergänge, kein Sport/ Joggen und keine Wege außerhalb des Campingplatzes. Da wir hier etwas abgelegen sind, waren wir erst noch mutig und sind abseits der Straße ein wenig den Berg hochgegangen, aber das haben wir dann doch gelassen, da die Polizei auch die Nebenstraßen kontrolliert, wie wir von einer Dame aus dem Ort erfahren haben.
Neben den Regeln der Ausgangssperre kamen allerdings fast täglich neue Informationen dazu. Wir hörten davon, dass in Spanien bis zum 26.03. alle Campingplätze und Hotels geschlossen werden sollen und die Abreise der Gäste innerhalb von 7 Tagen erfolgen müsse. Unruhe auf dem Platz, was heißt das, müssen wir also doch alle nach Hause, wird uns die Entscheidung abgenommen? Die Betreiber des Campingplatzes blieben entspannt und sagten uns, wir haben noch keine derartige Info bekommen, noch könnt ihr bleiben, wir haben in den kommenden Tagen ein Plenum mit den Verantwortlichen im Rathaus und der Polizei, dann wissen wir hoffentlich mehr. In diesem Zusammenhang mussten wir für die Polizei unsere persönlichen Daten aufschreiben, Kennzeichen, Namen, Alter, Pass-ID, Anreise, geplante Abreise. Das gab aus vielleicht nicht erklärbaren Gründen ein ganz gutes Gefühl, denn wofür würde das benötigt, wenn wir hätten abreisen sollen. Die Rückinfo wie das Plenum entschieden hat blieb aus, die Warterei machte alles nicht besser, die ersten Camper die eigentlich bleiben wollten, packten ihre Sachen. Es hielt sich ein Gerücht, nach dem 26.03. wäre eine Ausreise überhaupt nicht mehr möglich. Wir versuchten uns weiterhin selber zu informieren, fanden keinerlei derartige Info und nahmen etwas Abstand zu den Nachbarschaftsgesprächen die verständlicher aber auch anstrengenderweise kein anderes Thema hatten. Dann kam die Polizei morgens unerwartet auf den Platz und überprüfte alle von uns gemachten Angaben und erklärte erneut die Regeln an die wir uns zu halten hatten, das hieß dann wohl, wir durften bleiben. Ab sofort durfte nur eine Person im Fahrzeug zum Einkaufen fahren. Da wir das aber bisher immer zu Fuß gemacht haben, erfragten wir ob das möglich sei zu zweit zu gehen, weil wir ja auch einiges zu tragen hatten, das OK bekamen wir, solange wir mit Abstand gehen, gutes Gefühl.
Der nächste “Spaziergang” zum Mercadona entpuppte sich also ein wenig entspannter, da wir nun ja offiziell von der Polizei das “Go” bekommen hatten. Allerdings wurden wir im Supermarkt dann von einer Kassiererin darauf hingewiesen, dass wir hier drin nicht zu zweit einkaufen dürfen und eine von uns bitte draussen zu warten hat. Nächster Einschnitt. Wir befolgten die Regelung und so saß eine Anke eben wartend vor der Tür.
Mittlerweile haben wir uns an alle Maßnahmen irgendwie gewöhnt und für uns entschieden, die Tage bis Ostern abzuwarten um dann zu entscheiden, ob dieses Sabbatical für uns noch Sinn macht oder nicht.

Dann kam der besagte 26.03. und die Berliner Dame verkündete eine neue Botschaft: Ab jetzt werden alle sanitären Anlagen geschlossen!!! Lediglich eine “Notfalltoilette/Dusche” solle geöffnet bleiben. Nächster Schock. Wie soll das gehen? Wollen wir das noch? Nachdem auch hier die erste Panik aller Nachbarn vorübergezogen war und wir über diese Nachricht eingeschlafen waren, sah der nächste Tag schon wieder entspannter aus. Die Reduzierung von drei Duschen und Toiletten für die Damen, hatte sich auf eine minimiert. Aber es gab die eine noch und somit hatten wir alles was wir brauchten.

Warum bleiben wir? Soll das unser Lebenstraum sein? Verschwenden wir hier nicht Zeit? Nein, nein und nein. Wir bleiben, weil es hier sehr schön ist, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Nachbarn bilden eine gute Gemeinschaft und die Aussicht ist fantastisch. Nein, das war nicht unsere Vorstellung wie dieses Sabbatical läuft, doch alles im Leben ist für etwas gut und wir haben gelernt das es nicht immer so kommt, wie erwartet und wir doch einen Weg dafür finden. Noch klappt das sehr gut. Wie kann man Zeit verschwenden? Man nutzt sie für verschiedenste Dinge und so tun wir es jetzt auch, Zeit ist kostbar und der Blick darauf lässt einen jeden Tag neu beginnen und neu genießen, mit all seinen Herausforderungen. Wir werden sehen, was uns noch erwartet…

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Sabine Wippermann

    Hallo Ihr zwei Aussteiger 🙂
    Eure Einträge lesen sich so spannend wie ein Abenteuerroman!
    Ihr macht wahrlich das Beste draus mit viel Bauchgefühl und trotz Krise immer mit einer gehörigen Portion Optimismus!
    Ich drücke ganz feste die Daumen, dass es weiterhin so rund für euch läuft und ihr ganz schnell die Füße an eurem Traumstrand in den Sand stecken dürft. Alles wird gut und nie die Hoffnung ausgeben….
    Herzliche Grüße und alles Liebes sendet aus dem fernen, zur Zeit auch sehr sonnigen Hamburg
    Sabine
    – bin in Coronazeiten gerade im Heimurlaub- im Garten, wir dürfen hier zumindest noch zu zweit unterwegs sein und mit dem Fahrrad fahren, welch ein Luxus!

    1. Anke

      Liebe Sabine, vielen Dank für deinen Kommentar, wie schön das dir der Blog so gut gefällt. Mittlerweile haben wir schon so oft die Füße in unseren Traumstrand gesteckt und sind sehr dankbar für alles was wir erleben dürfen. Unser Bauchgefühl wird uns ganz sicher auch weiterhin an die schönsten Plätze führen. Bleib gesund, liebe Grüße, Anke & Anke

  2. Die Baslers

    Hallo ihr beiden,
    Wir fragen uns ganz oft, wie es euch geht und sind sehr gespannt auf euren neuen Bericht. In Deutschland öffnen wieder kleinere Läden, die großen Kinder dürfen bald wieder zur Schule, um ihre Prüfungen zu schreiben. Ansonsten werden die Eltern nun neben ihrem Job home-teacher. Weniger Corona wäre schön, aber man fällt immer wieder auf dieses Thema zurück. Ostern gab es leider dieses Jahr ohne euch und das leckere Essen in Gifhorn. Weihnachten sehen wir uns hoffentlich alle wieder. Berichtet, was ihr den ganzen Tag so macht und wie es euch geht. Wir denken an euch!!!

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