Von Coimbrão über Costa Nova nach Porto
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Ein weiterer fester Punkt auf unserem Weg Richtung Norden war Nazaré. Der Ort mit den Riesenwellen, einmal da vorne stehen, Bilder und Videos hatten wir x-fach gesehen, also los. Nazaré liegt auf der nördlichen und südlichen Seite eines Leuchtturms, also DEM Leuchtturm. Es ist aufgeteilt in eine Ober- und Unterstadt, die durch einen “Aufzug” dem Ascensor miteinander verbunden sind. Die Fahrt kostet 1,50€ und bietet eine grandiose Aussicht. Mit Glück ergatterten wir einen kleinen Parkplatz in der Oberstadt und erkundeten diesen Teil. Der Weg zum Leuchtturm und somit zum kleinen Museum der Surferlegenden, führte uns vorbei an kleinen Restaurants, ein paar Touristengeschäften bis zum Veado’ Surfer, einer großen Hirschskulptur. Am Leuchtturm, dem „Farol da Nazaré“ angekommen, besichtigten wir das Museum. Eintritt, 1 Euro! Es ist kein großer Ort aber speziell und noch etwas spezieller wenn man sich dem Wasser bzw. dem Wassersport verbunden fühlt.

Unglaublich sind die Bilder und Filme die man dort sehen kann. In 3 Räumen findet man Boards der Wellenbezwinger aus den letzten Jahrzehnten. Ganz unterschiedlich in den Größen und von Surfern aus der ganzen Welt „geritten“, von Männern und Frauen. Auch ein spezieller Neoprenanzug mit Verstärkungen zum Schutz und ein besonderer Jet-Ski sind dort zu sehen. Außerdem gibt es ein Modell des Unterwasser-Canyons der sich von Peniche bis Nazaré erstreckt und die Riesenwellen erst möglich macht.
Jetzt wo das Meer ganz ruhig ist, der Nebel sich langsam auflöst und die Strände leerer sind kann man sich nur mühsam vorstellen wie es sein muss wenn sich hier die Wellen bis zu einer Höhe von 20 Metern auftürmen und auf das Festland zu rollen. Unsere Bekanntschaft aus dem Alentejo, Deborah und Toby hatten erzählt, dass sie bereits Riesenwellen hier erlebt haben und heute noch beim Erzählen eine Gänsehaut bekommen. Ein bisschen ehrfürchtig standen wir nun dort an diesem sagenumwobenden Ort und wussten, wir kommen wieder, im Winter und erleben diese Urkraft der Natur, live.

Wir entschieden uns noch für eine Fahrt mit dem „Ascencor“. Der Blick über die Strände und die Unterstadt sind fantastisch. Auch hier gibt es die ein oder andere schöne kleine Gasse, aber die Promenade ist auf den großen Tourismus ausgelegt und das ist nicht so sehr das was uns gefällt. Am Strand jedoch wird eine alte Fischertradition weitergelebt. Das „Museo do Peixe Seco“. In Nazaré wurde der Prozess der Fischtrocknung zu einem Markenzeichen der lokalen Identität. Hier wird noch genau wie früher der gefangene Fisch am Strand getrocknet und kann dann direkt vor Ort gekauft werden. Eine von uns hat es probiert, ist ein bisschen wie Trockenfleisch, nur Fisch. 🙂 Der Strand selber ist mit vielen kleinen gestreiften Zelten übersäht und dachten wir kurz, ah Abstand wegen Corona, nein, wir fanden alte Bilder auf denen der Strand anscheinend immer so aussieht. Gut, wenn man Strand aber keinen Blick aufs Meer möchte, ok!
Für uns hieß es, wieder rauf auf den Berg und weiter.

Auf nach Coimbrão. Als wir ankamen, die kleine Überraschung. Kein Campingplatz im eigentümlichen Sinne, sondern der Garten der Grundstücksbesitzer. Es gab einen kleinen Pool, eine eigene Badkabine mit Dusche und Klo und nur wenige Nachbarn. Wir parkten zwischen 2 Bäumen und fanden, hier kann man es 2 Tage aushalten. Die Reise sollte ja nicht in Stress ausarten auch wenn wir jetzt einen relativ festen Zeitplan hatten um rechtzeitig in Frankreich zu sein. Wir waren hier ca. 6 km vom Meer entfernt und die Besitzer erzählten uns, dass es am Meer teilweise bis zu 16° kühler ist als am Campingplatz. Wow, das ist viel für so eine kurze Strecke. Wir schauten uns den kleinen Ort am Meer nur kurz an aber die Überraschung war groß. Nordseefeeling. Langer weißer Sandstrand, kleinere Dünen und Dünengras. War das noch Portugal? Dieses Land ist nicht das Größte, aber was es an Vielfältigkeit zu bieten hat ist schon einmalig. Trotzdem komisch, da fährt man tausende Kilometer um was Neues zu sehen und dann ist es fast wie Zuhause. Schauen wir mal was die nördliche Küste noch zu bieten hat. Um ein bisschen Ruhe zu haben entschieden wir 3 Nächte zu bleiben.

Der Zufall wollte es, wir waren an einem Wochenende dort, damit hatten wir die Möglichkeit den einmal im Monat stattfindenden Markt im Nachbardorf zu besuchen. Perfekte Entfernung für eine Fahrradtour. Ach ja, die Fahrräder, die hätten einen kleinen Check einer Fahrradwerkstatt nötig, aber ob es die hier gab?! Wir fragten nach und tatsächlich, direkt um die Ecke. Was für ein spezielles Erlebnis, der nicht mehr ganz junge Herr sprach natürlich nur Portugiesisch. Somit war Zeichensprache und Vorführen angesagt. Es ging nur um die Bremsen, er wusste schnell an welchen Schrauben zu drehen war und die Frage nach Bezahlung wurde mit abwinken quittiert. Wir tauschten kein Wort, nur ein zaghaftes Lächeln, aber am Ende, alles gut.
Es ging also zum Markt. Hier gab es einfach alles: Haushaltsartikel, Möbel, Obst, Gemüse, Fisch, Käse und Fleisch, Gänse, Enten und Hühner, letztere lebend.
Es wurde an offenen Flammen gekocht, die Bestellungen liefen wild durcheinander, Masken ja, Abstand naja, aber ein wirklich schönes Erlebnis, wir waren wahrscheinlich die einzigen fremdsprachigen Touristen.

Auf der Fahrt nach Coimbrão hatten wir eine wunderschöne Kathedrale direkt von der Nationalstraße aus gesehen. Hierher mussten wir zurückkommen. Das musste Fatima, der Wallfahrtsort gewesen sein, was sonst. Unser Ausflugsziel für den nächsten Tag stand fest, es sollte nach Fatima gehen. Doch irgendetwas war anders. Sah so das Gebäude aus das wir von der Nationalstraße aus gesehen hatten?
Nein, aber wir sind doch an Fatima vorbeigefahren, also musste es so sein. Wir parkten und gingen los. Es stellte sich raus, hier war es auch beeindruckend, vor allem weil Pilger vor Ort waren, aber das war auf keinen Fall der Ort den wir gesehen hatten.
Dem Internet sei Dank, nur gute 20 Minuten Fahrzeit entfernt war der Ort den wir eigentlich suchten. Batalha. Genauer gesagt, das Kloster in Batalha.
Wer Zeit hat sollte sich, gerne anders als wir auch geplant, beide Städte anschauen.

Nach 3 Tagen war es Zeit aufzubrechen, wir hatten gelesen wie schön es in Costa Nova sein sollte. Gestreifte Fischerhäuser sind das Markenzeichen dieser Gegend. Wir waren bis hierher immer ohne Mautstraßen gefahren. Das machte einzelne Strecken ganz sicher etwas länger und nicht immer, aber in diesem Fall, schöner. Insbesondere die letzten 10/20 Kilometer ging es immer geradeaus, an wunderschönen Häusern vorbei, das Wasser und den Deich immer in Sichtweite. Dann tauchte rechts von der Straße ein Fluss auf, links war eine Lagune zu sehen und wir wussten, dahinter ist der Atlantik. Wieder hatten wir uns für einen kleinen Platz entschieden bei dem wir nicht ganz klar waren was uns da wohl erwartet. Wir machten eine kleine Runde und stellten fest, einmal über den Deich gefallen und zwar direkt vom Campingplatz aus und man steht direkt am kilometerlangen Sandstrand direkt am Atlantik. Ein einfacher aber perfekt gelegener Platz. Auf der einen Seite das Meer und direkt vor dem Platz der Ria de Aveiro.
Am nächsten Tag ging es Fischerhäuser gucken. Einige sind Restaurants oder kleine Geschäfte, bei anderen fragt man sich ob sie wirklich bewohnt sind. Das Wetter war herrlich, so schlenderten wir durch die Straßen und endeten in einem etwas skurilen Fischrestaurant, der Fisch war gut, der Kellner nicht so sehr.

Nur etwa 10 Minuten entfernt liegt die Stadt Aveiro. Berühmt für Ihre Kanäle, die ihr den Beinamen „das Venedig Portugals“ eingebracht hat. Auch die Salzgewinnung ist hier ein Thema. Auf dem Weg zum Parkplatz kamen wir bereits an einigen Salzbergen vorbei und es gibt hier die Möglichkeit sich die Salzgewinnung von damals in den Salinas de Aveiro anzuschauen. Wir haben uns jedoch für eine Bootstour entschieden. Tolle Holzboote sind auf den kleinen Kanälen unterwegs und man bekommt einiges zur Geschichte der Stadt erzählt. Danach haben wir das Flair der Stadt genossen um den Abend mit Sonnenuntergang und grillen auf dem Platz ausklingen zu lassen. Weiterhin merkte man den Temperaturwandel und am nächsten Morgen war es soweit, die Heizung lief, zum ersten Mal, seit wann … März?! 9° in der Früh, das war uns dann doch zu kalt. Das schöne war jedoch, sobald sich die Sonne zeigte war es herrlich, es wurde warm und so war das Thema Heizung schnell wieder vorbei. Gott sei Dank, es war doch erst Ende August.

Seit Beginn der Reise gab es eine offene Verabredung mit unseren Freunden die in Porto wohnen. Nun hatten wir sie zwar schon 2x unverhofft während der Reise getroffen, aber die Einladung stand weiterhin. Nun war es soweit, wir fuhren nach Porto.
In Villa Nova de Gaia hatten wir etwas gefunden, nicht ganz günstig, aber es sah toll aus und wir sollten in 8km im Stadtzentrum von Porto sein, klang doch perfekt. War es dann übrigens auch. Auch hier war die Überraschung, es war eine Familie die in ihrem Garten einen kleinen Campingplatz hat. Maximal 10 Gäste können gleichzeitig vor Ort sein, es gibt einen Code für Tür und Tor, der Pool ist überdacht und beheizt, Duschen und Toilette wie im Hotel sind direkt außen, ebenso wie der Grill und es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Küchenbenutzung. Klingt zu schön um wahr zu sein, ja, so ging es uns auch, vor allem, weil wir insgesamt nur mit zwei Campern vor Ort waren. Am Ankunftstag gab es eine Einführung in alles was wir über Porto wissen müssen, inklusive des Hinweises auf einen Fahrer der einen zum „Startpunkt“ bringt und einer Weinprobe am Abend. Wir waren zu sechst und nach anfänglichen Unsicherheiten mit Sprache und Verständnis genossen wir die Weine und kleinen Snacks und unterhielten uns bis es zu kalt wurde. Wir fühlten uns wohl und freuten uns auf die Stadt am nächsten Tag.

Die Temperaturen sollten sehr sommerlich werden, der Tag begann entsprechend früh. Der Fahrer holte uns ab und brachte uns zum Jardim do Morro. Dieser Park ist direkt an der bekannten Brücke Ponte Luiz I. Und zwar auf der oberen Ebene auf der nur die Bahnen fahren und keine Autos. Was für ein Blick auf die Stadt. Wir waren direkt beeindruckt. Die Sonne stand noch nicht hoch am Himmel, wenig Menschen waren unterwegs, die Geschäfte öffneten so langsam, wir erwachten sozusagen gemeinsam mit der Stadt. Durch dunkle, tatsächlich dunkel weil sie so eng und die Häuser im Vergleich hoch waren, Gassen liefen wir hinunter Richtung Douro, auch wir brauchten einen ersten Kaffee. Und dann saßen wir da, mit Blick Richtung Fluss, das Leben begann, viele Touristen waren noch nicht unterwegs, dafür umso mehr Einwohner die in den Tag starteten. Alles richtig gemacht! Wir hatten keinen wirklichen Plan für Porto, waren von unseren Gastgebern gut vorbereitet und ließen uns mit diesem Wissen einfach treiben. Vor allem da wir schon längst beschlossen hatten einen weiteren Tag zu bleiben. Die Sonne strahlte vom Himmel und wir nutzen die Möglichkeit mit der Straßenbahn bis ans Meer zu fahren. Das ging, einfach direkt am Douro einsteigen und an der Endhaltestelle über die Straße fallen, zack, direkt an der Hafeneinfahrt, am Leuchtturm, am Meer. Wir gingen bis nach ganz vorne zum Leuchtturm, die Gischt spritzte bis über die Mauer, rechts und links Strandgeschehen, Urlaubsfeeling pur.
Jetzt wollten wir aber doch noch ein wenig Trubel, wir warteten auf die sich verspätende Straßenbahn im Schatten einer Palme und machten uns auf den Weg zur Bibliothek Livraria Lello. Dieser Ort soll Joanne K. Rowling für ihre Harry Potter-Romane inspiriert haben. Ein Pilgerort für Fans, man kauft ein Ticket und steht dann an, 2 Stunden mindestens. Nein, heute nicht, vielleicht versuchen wir es morgen nochmal ganz früh. Einen Blick durch die Tür erhaschten wir und ja, es ist ein wirklich toller Laden und wer ein Buch kauft bekommt den Ticketpreis auch angerechnet, ein fairer Deal. Wir genoßen den Trubel der Stadt, tranken Kaffee und schauten Leute.
An diesem Abend trafen wir dann unsere Freunde. Mit frisch gegrillten Fisch und Blick in den Sonnenuntergang ging der Tag zu Ende.

Da es am ersten Tag so wunderbar funktioniert hatte, nahmen wir auch für den nächsten Tag den Service des Fahrdienstes in Anspruch. Wieder starteten wir früh und heute stand als erstes der Besuch der Livraria Lello an, ohne Erfolg. Bereits vor der Öffnung des Ladens war die Schlange so lang das wir uns auf mindestens 2-3 Stunden Wartezeit hätten einstellen müssen. Wir schauten dem Trubel vom Nachbarcafé zu und entscheiden uns dann zur Casa da Música, dem Konzerthaus von Porto, zu laufen. Lange kein Konzerthaus von innen gesehen :). Wir waren pünktlich zu einer Führung vor Ort und haben die Chance genutzt. Einiges kam uns bekannt vor und trotzdem war es ein spannender Blick hinter die Kulissen. Ein weiterer Besuchspunkt ist der Bahnhof von Porto. Tolle Fliesenwerke in der Eingangshalle blicken zurück auf wichtige Zeitgeschehnisse der Stadt. Ehrlich gesagt, das war es dann auch schon was wir uns an historischen Gebäuden angeschaut haben. Wir haben viel erlebt, gesehen bis hierher, an diesem Punkt wollten und konnten wir nicht mehr viele Informationen aufnehmen.
In der wuseligen Altstadt Ribeira mit ihren bunten Häuserfronten und vielen Restaurants am Douro genossen wir also eher das geschäftige Treiben der Menschen. Flanierendes Publikum, junge Wilde die mit waghalsigen Sprüngen von der Hafenkante und der Brücke Ponte Luiz I (vom unteren Teil) die Aufmerksamkeit genießen.
Zum Abschluss gingen wir noch über die Brücke um dort die bekannten Portweinkeller zu sehen und natürlich auch Portwein zu kaufen. Ein bekannter Name reiht sich an den Nächsten und wir fanden einen kleinen Laden der sich nicht nur auf einen einzigen Anbieter festgelegt hatte. Schnell ging es und wir hatten die gefüllten Gläser zum Probieren vor uns stehen und danach die Tüten voller Portweinflaschen in der Hand. Sehr zu empfehlen, einfach mal beraten lassen. Und der absolute Abschluss in Porto war dann die Fahrt mit der Teleferico de Gaia, einer Luftseilbahn die die Uferpromenade mit dem höhergelegenen Jardim do Morro verbindet. Und waren wir wieder am Startpunkt unseres Portobesuchs. Es ging nach Hause und am nächsten Tag weiter in Richtung Norden bis nach Viana do Castello.

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