Weiter Richtung Norden
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Bevor wir hier unsere Geschichte weitererzählen, hier noch die Auflösung wie es mit dem demolierten Mietwagen ausgegangen ist. Der Tag der Rückgabe kam, wir waren aufgeregt.
Wie genau würde geschaut werden, hatten wir den Passus mit den 1.200€ Selbstbeteiligung richtig verstanden?
Wir parkten den Wagen rückwärts ein, hinter uns eine Wand. ;-). Es kam ein netter Typ, wir bedankten uns für den Bring- und Holservice und lobten das Auto über den Klee. Immer in der Hoffnung, sollte der Schaden von uns bezahlt werden müssen, dann wird es vielleicht nicht soooo teuer, wir sind ja zwei ganz Nette. Nun gut, er umrundete das Auto, klärte nebenbei telefonisch ob wir wirklich schon bezahlt hatten und sagte dann, alles gut, schönen Tag noch und buchen sie mal wieder bei uns.
Die Steine die uns vom Herzen fielen konnte man hören und die Erleichterung stieg in unser Gesicht, sobald er mit dem Auto den Parkplatz verlassen hatte. BÄM! So sollte es sein.

Es war an der Zeit Salema zu verlassen, es ging wieder über den Notausgang und uns war klar, jetzt endet die Zeit an der Algarve. So viel emotionales Auf und Ab und so wunderbare Momente die alle schwereren Momente mehr als aufwogen. Unser Ziel war es am Besten wieder einen Ort zu finden an dem wir uns Zuhause fühlen und Ausflüge machen können. Es blieb dabei, es war nicht einfach. Den zauberhaften Ort Zambujeira do Mar hatte man uns empfohlen, den Campingplatz verließen wir nach einer Runde direkt wieder. Doch dann fanden wir mitten zwischen Feldern, nah an der Küste einen kleinen Platz der, auch hier war der vorherige kurze Anruf Gold wert, noch einen Platz für uns hatte. 500 Meter bis zum Meer, ein kleines Dorf in Fahrradnähe und auch Zambujeira do Mar war eine tolle Radtour entfernt, nicht ganz perfekt aber hier können wir ein paar Tage ankommen.

Von hier aus haben wir verschiedene Ausflüge gemacht. Hatten wir uns Odeceixe trotz aller Empfehlungen bis hier her gespart, entschieden wir uns dann doch den Weg dorthin zurück zu machen. Der Ort liegt auf einem kleinen Berg und ist toll um sich die Beine zu vertreten. Wir parkten also unten am Fluss und genossen das Ambiente und schlenderten den Berg hinauf, denn ganz oben steht eine Windmühle die tatsächlich auch noch im Betrieb ist und besichtigt werden kann. Von dort oben sieht man das Flusstal des Ribeira de Seixe. Dieses mündet direkt im Meer und somit hat man die Möglichkeit entweder die Ruhe am, im und auf dem Fluss zu genießen oder den Trubel am Strand mit Meer und Surfern. Wir entschieden uns für einen Parkplatz am Fluss mit Blick auf den Strand und das Meer. Wir tranken einen Kaffee, saßen im Liegestuhl und erfuhren nebenbei das aus dieser Region die Kräuter für den Gin Sul (hergestellt in der Altonaer-Spirituosen-Manufaktur) stammen. Ein bisschen Zuhause obwohl doch soweit weg.

Die größte Veränderung brachte das Wetter an diesem Platz, Nebel, Wolken und auch kühle Abende, das hatten wir Monate nicht gehabt, zumindest konnten und wollten wir uns nicht erinnern. Aber tagsüber schien die Sonne und wir erkundeten mit dem Fahrrad die Gegend. Zuerst ging es bergab und dann natürlich auch bergauf in Richtung Zambujeira do Mar. Allein der Blick den man aus dieser Richtung auf den Strand hat war wieder beeindruckend. Es gab Schieferklippen auf der einen Seite und die bereits bekannten rot-weißen Klippen auf der anderen Seite. Schnell die Fahrräder geparkt und los ging es. Es war der erste Strand, bei dem wir Schilder fanden die auf die starke Gefahr der Strömungen hinweisen. Die Badezonen sollen nicht verlassen werden und die Pfiffe der Rettungsschwimmer schallen über den Strand. Wir lösten uns von dem tollen Anblick und schlenderten hoch ins Zentrum. Es war ein bekannter Anblick der weißen Häuser an schmalen Straßen und dennoch gab uns dieser Anblick eine Ruhe, auch im Trubel. Ein lebensbejahendes und positives Gefühl.
Bleibt man oben auf den Klippen, dann kann man erneut einen Teil des Fischerweges gehen, wir gingen bis zum Praia da Baia da Arquinha. Einen Teil dieses Weges hatten wir bereits weiter südlich bestritten und haben das kurz im Beitrag „Die Algarve“ erwähnt. Jeder Portugiese oder auch jeder der es nicht live gesehen hat wird denken, ok, noch eine Bucht, noch eine Klippe. Aber wir können euch versprechen, dort am späten Nachmittag, wenn das Licht sich verändert, einen Spaziergang zu machen, nur das Kreischen der Möwen und die Geräusche der Brandung im Ohr, uns hat es glücklich gemacht.
Wir haben für diese Reise ein sehr schönes Portugalbuch geschenkt bekommen und auch schon einiges an Tipps daraus, teilweise durch Zufall teilweise geplant, umgesetzt. Nun stand doch da der Tipp dieses Fischrestaurant in Brejao auszuprobieren. Na perfekt, 10 Minuten mit dem Fahrrad von uns entfernt und wir standen vor einem Lokal mit 4 Tischen an der Straße und 4 Tischen innen. Voll besetzt bis auf einen letzten Tisch an dem einfach nur ein Stuhl fehlte. Ob man hier Englisch spricht? Fehlanzeige, also kam es zu einer Mischung aus Händen und Füßen, Spanisch und Englisch und wir hatten einen 2. Stuhl und einen Platz. Die Karte besteht aus 2 Fischgerichten, dieser wird dann am Tisch in aller Gänze roh präsentiert und man wählt einen aus und wartet. Es war wirklich großartig, ein mittendrin Erlebnis an einem Ort den wir von uns aus vielleicht nicht gefunden hätten.

Schon in Brejao gibt es Fassadenmalereien der „Königin des Fado“ Amália Rodriguez und nicht weit entfernt gibt es ein Anliegen direkt an der Klippe über dem Strand in dem sich Amália immer wieder aufgehalten hat. Ebenso gibt es an diesem Strand einen kleinen Wasserfall und die Legende sagt, Amália soll an diesem Strand schwimmen gelernt haben. Der Zugang zum Strand führt durch einen kleinen Dschungel, der Weg so schmal das bei Gegenverkehr eine Seite warten muss. Irgendwo unter einem hört man einen Bach rauschen und dann öffnet sich dieser Dschungel und man blickt auf das Meer und den Strand und ein paar Schritte nach links und man steht direkt oberhalb des Wasserfalls. Sicherlich ein toller Strand um den Tag zu verbringen, wir haben ihm nur eine Stippvisite gegönnt aber ein kleiner Geheimtipp für das nächste Mal.
An unserem letzten Abend lernten wir Ricardo und seine Kinder kennen. Sie haben einen alten Van ausgebaut und da er keinen festen Arbeitsort hat, sind sie im Sommer heute hier und morgen dort. Er suchte Hilfe um seine Batterie zu laden und darüber kamen wir ins Gespräch, seine Kinder würden unseren Van lieben, so einen großen hätten sie noch nicht gesehen. Keine 5 Minuten später saßen wir vor seinem Van, er holte eine Karte raus, zeigte uns Spots u.a. für das Windsurfen, rief eine Windsurfschule an, malte uns eine eigene Karte mit den „wichtigen“ Orten auf und gab uns seine Visitenkarte, was immer wir für ein Problem hätten, wir könnten ihn anrufen. Und wieder jemand, einfach da, ohne Vorurteile, ohne Bedenken, wieder einer dieser besonderen Momente dieser Reise.

Wie schon in Spanien wollten wir auch in Portugal das Landesinnere mal erkunden. Man kann ja nicht immer nur Meer und Strand und Klippen, ok, wir könnten das, aber wir haben soviel Tolles zum Inland gelesen, es war an der Zeit etwas davon zu sehen.
Evora hatten wir uns als Erstes vorgenommen und dort in der Nähe gab es auch einen ganz schönen Campingplatz. Also, das Navi programmiert und los sollte es gehen. Vorbei am westlichsten Punkt Europas, dem „Farol Cabo Sardao“. Aber was war das? Es regnete in dem Moment in dem wir den letzten Platz verließen. Es war nicht weit, bis zu dem Leuchtturm und als wir dort ankamen, war es zwar etwas windig, grau und neblig, aber trocken. Wow, schon wieder so anders als alles zuvor. Und sei es auch einfach die Stimmung, die natürlich sehr vom Wetter bestimmt ist, in solchen Momenten. Dann, ein bekanntes Geräusch, Glockengeläut. Kaum umgedreht, hörten wir sie schon, eine riesige Ziegenherde die sich ihren Weg über die Klippen suchte. Selbst beim Beschreiben dieser Szene, huscht uns ein Lächeln über das Gesicht, wie bei so vielen Momenten.
Dann sollte es weitergehen, gute 3 Stunden über die Nationalstraßen lagen vor uns. Durch Plantagen mit tausenden und abertausenden von Korkeichen, landeten wir auf einem Platz inmitten genau so einer Plantage. Ein freundlicher Holländer empfing uns in deutscher Sprache und wir fühlten uns ziemlich schnell wohl hier. Wir bezogen einen Platz mitten unter einem riesigen Baum, mit Blick auf, na, ihr ahnt es, Korkeichen. Mittlerweile haben wir nach all der Zeit eine richtig gute Routine beim Ankommen. Erstmal Kabeltrommel raus, Strom besorgen, damit die Kühlbox wieder Saft bekommt. Wir könnten zwar auch während der Fahrt über die Solarpanel Strom ziehen, allerdings ist uns das Kabel dafür abgeraucht, deshalb wurde es in letzter Zeit umso wichtiger, zügig wieder an Strom für die Kühlbox zu kommen.
Als nächstes die Fenster auf, Bad und Küche „aufräumen“, Stühle und Tisch raus, Markise ausfahren und vielleicht noch die Fahrräder ausräumen. Dann heißt es „Angekommen“! Keine 20 Minuten später und wir sitzen vor dem Dicken.

Schon seit ein paar Tagen machte der Dicke uns ein wenig Sorgen. Beim Bremsen und manchmal auch einfach beim Fahren, ein ächzendes und schleifendes Geräusch, das uns ein ungutes Gefühl gab. Alle Eigeninitiative, Flugrost beim Fahren mit schleifender Bremse entfernen, brachte leider kein längerfristiges Ergebnis. Irgendwie war klar, Hilfe musste her, also den Campingplatzbesitzer gefragt, natürlich stand das Wochenende vor der Tür, aber er wollte helfen. Nun gut, bis dahin, Zeit am Pool verbracht, endlich mal wieder Tischtennis gespielt, Sport gemacht und den nächsten Besuch einer kleinen Stadt vorbereitet. Ja, mit dem Auto, es funktionierte ja alles, klang nur nicht so gut.

Am nächsten Morgen war es soweit, wir wollten uns die Stadt Evora anschauen. Wir packten den Dicken kurz zusammen und fuhren ca. 30 Minuten bis in die Stadt. Évora ist die Hauptstadt der südlich-zentralen Region Alentejo in Portugal, mit vielen historischen Bauwerken. Wir hatten insbesondere von der Capella dos Ossos gehört. Eine mit Skeletten verzierte Kapelle, die Knochenkapelle. Dorthin gingen wir auch als, fast, erstes. Zuerst hieß es ein kleines Frühstück einnehmen, denn bei Tagestemperaturen um die 30 Grad, sind wir früh in den Tag gestartet um in der stärksten Hitze mindestens auf dem Rückweg, wenn nicht zurück zu sein.
Coronabedingt waren in der Kapelle immer nur 10 Personen zugelassen, also warteten wir geduldig auf Zutritt. Das Warten lohnte sich allerdings sehr, wenn auch auf eine sonderbar beeindruckende Art. Die Kapelle empfing uns mit der Inschrift: “Wir, die Knochen, die hier liegen, warten auf Eure.” Und dann kann man es kaum glauben. Die gesamten Wände der Kapelle sind mit echten Menschenschädeln und Knochen „verziert“. Ein unwirklicher und makaberer Anblick. Es sind die Gebeine von mehr als 1000 Mönchen aus dem Karmeliterorden, und die Kapelle wurde 1816 eingeweiht.
Beeindruckt ging es für uns zur Kathedrale von Evora. Vom Turm hat man einen fantastischen Blick über die Stadt und fühlt sich zurückversetzt in längst vergangene Zeiten. Ein bisschen Notre-Dame-Feeling in klein. Man kann auf das Dach hinaufgehen durch einen schmalen Turm, auf einer noch schmaleren Wendeltreppe das man die ganze Zeit hofft das einem niemand entgegen kommt, in dem Wissen wer hier rauf ist, muss hier auch wieder runter. Die Aussicht ist wunderschön und auf dem Dach einer Kathedrale ist man ja auch nicht täglich. Dann ging es in den Garten bzw. auch diesem stieg man in einer gewissen Form aufs Dach. Eine von uns ist gar nicht gut darin diese schmalen Treppen ohne Geländer herunterzugehen, aber wer sich wie eine Fürstin fühlen will, der muss da durch. 🙂
Und dann, wenn man schon denkt, was für eine Stadt, kommt man auf dem Weg zurück zum Dicken, in der Nähe der Universität der Stadt, an einem römischen Tempel vorbei. So gut erhalten, dass man sich wirklich fast wie im alten Rom fühlt. Voll von diesen vielen teils unglaublichen Eindrücken, ging es zurück zu unseren Korkeichen.

Der Dicke klang immer noch nicht gut, wie auch, weiterhin kein Werkstattbesuch in Sicht. Der Holländer hatte was für Dienstag, es war Freitag. Oh man, eigentlich wollten wir ursprünglich gar nicht mehrere Tage hier bleiben, doch jetzt sagte unser Gefühl, die Priorität muss jetzt auf der Werkstatt liegen. Dann kam uns die Idee des Tages, wir sind doch im ADAC. Zack, kaum ausgesprochen, angerufen und noch am selben Abend kam ein Monteur. Leider dachte er, er soll einen platten Reifen wechseln!!!
Naja, so ist das wohl wenn in der Kette der Informationen auch durch kleine Sprachbarrieren etwas auf der Strecke bleibt. Wir verblieben so, wir rufen wieder den ADAC an und bitten um Hilfe bei der Werkstattsuche. Wurde aber nix vor Montag. Nun gut, das war jetzt der Plan. Doch was tun bis dahin?
Ein Blick in unser tolles Portugal-Buch brachte Abhilfe. Gute 1,5 Stunden Fahrt in Richtung spanische Grenze liegt das Dorf Monsaraz. Und direkt bei Monsaraz gibt es einen künstlich angelegten Stausee mit Sandstrand und Wassersportmöglichkeiten. Gesagt, getan, wir sind hingefahren. Das Dörfchen ist wie aus der Zeit gefallen, eine kleine Burg, eine Stadtmauer, würde einem ein Ritter in voller Montur entgegen kommen, wundern würde man sich nicht.
Von dort oben kann man schon einen Teil des riesiges Sees sehen und deshalb haben wir uns dann umgehend auf den Weg da runter gemacht. Wie fast überall, es war trotz sehr sommerlicher Temperaturen nicht überlaufen, wir nahmen uns erst mal einen Kaffee und einen Schattenplatz und schauten uns um. Und dann war klar, wir leihen uns SUP-Boards aus und paddeln ein wenig.
Die Info „passt auf den Wind auf“ hätte gerne auch etwas ausführlicher sein können. In dem See gibt es kleine Inseln und ist man an denen vorbei, fühlt man sich dem Wind schon sehr ausgesetzt. Also besser im knien zurück zum Ufer. Ein Kraftakt der aber auch riesig Spaß gemacht hat. Jeder auf seinem Board, nebeneinander, bei strahlendem Sonnenschein, perfekt! Monsaraz als solches, genau wie der See, einen Ausflug wert.

Pünktlich Montag um 9 Uhr rief dann der ADAC an. Die erste Info, die wir bekamen war, es gäbe einen Termin in ca. 3 Wochen.
Nachdem wir sehr deutlich gemacht hatten, das wir zwar Zeit hätten, aber so viel dann doch nicht, gab es 2 Stunden später einen Termin am späten Nachmittag des selben Tages. Geht doch! Und zum Sonnenuntergang fuhren wir mit dem Dicken wieder durch die Korkeichenplantagen, mit neuen Bremsen und ohne störende Geräuschkulissen. Der Weiterreise stand jetzt überhaupt nichts mehr im Weg.
Bevor wir abgereist sind, lernten wir unsere Zeltnachbarn näher kennen. Toby, Schotte, und Deborah, Südafrikanerin mit Ihren Kindern. Es war ein ganz ganz kurzes kennenlernen aber auch hier konnten wir eine Gastfreundschaft erleben die seinesgleichen sucht. Es gab direkt die Einladung vorbeizukommen, sie wären in einer guten Woche wieder Zuhause.
Sehr beeindruckt tauschten wir die Nummern aus.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Petra Behrsing

    Hach, habe gerade mit einem ersten Kaffee am Morgen euren Bericht genossen!
    Danke für das Miterleben.
    Bis bald , Petra

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