Die Algarve
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Bevor wir unseren Stellplatz auf dem Platz Salema Eco Camp gefunden hatten, erlebten wir eine wunderschöne Überraschung.
Wir waren zu Fuß auf dem riesigen Gelände unterwegs um für unseren „Dicken“ das schönste Plätzchen zu finden. Plötzlich sprang in ein paar Meter Entfernung eine Frau von ihrem Campingstuhl vor dem Zelt auf und stand wild tanzend auf der Straße.
Wir hörten unsere Namen rufen. Es war doch tatsächlich eine Freundin und ehemalige Arbeitskollegin, der wir hier in die Arme liefen. Was für ein schöner Zufall. Wir konnten es alle nicht fassen und verabredeten uns für später auf ein Weinchen. Auf diesen Zufall mussten wir in jedem Fall anstoßen. Es gab so viel zu erzählen und wir hatten einen wunderbaren ersten Abend in Salema. Der Start konnte nun wahrlich nicht viel besser sein.

Am nächsten Tag wollten wir die Gegend ein wenig erkunden. Von hier aus konnte man mit dem Mietwagen sehr viele schöne Orte ansteuern und wir wussten gar nicht, wo wir zuerst anfangen sollten.
Wir entschieden uns für Sagres. Ein kleines Städtchen, dass sich nicht wirklich viel um den Tourismus der Algarve schert. Kleine, versteckte Cafés mit Galao und Natas, Surfshops hier und da und natürlich der Cabo de São Vincente, der südwestlichste Punkt Europas, mit einem Leuchtturm auf der Klippe und sagenhaften Sonnenuntergängen.
Auch für uns hieß es also, abends genau hier den Sonnenuntergang genießen!!
Tja, von Genuss kann nicht wirklich die Rede sein. Wir waren mit ca. 250 weiteren Menschen und Autos gemeinsam hier, es stürmte wie verrückt und der Nebel umhüllte den hoch gelobten Sonnenuntergang. Während sich die Menschenmenge aus ihren Autos schälte, dem Sturm trotzend bis zum Leuchtturm wanderte um das eine Foto zu erhaschen, entschieden wir uns im Auto sitzen zu bleiben und dem skurrilen Treiben von drinnen zuzuschauen. Um kurz vor halb neun, pilgern Massen bis zum Leuchtturm, es ist gerammelt voll und Punkt viertel vor neun, sind sie alle wieder verschwunden. So schnell kann man gar nicht schauen.
Genau zu diesem Zeitpunkt sind wir dann mit dem Auto bis ganz nach vorne gefahren, einmal Foto und ab nach Hause.

Sagres ist umgeben von verschiedenen Stränden, die bei Wellenreitern sehr beliebt sind.Wir waren ja weiterhin auf der Suche nach eben diesen Stränden und vor allem Wellenreitern. Ein perfekter Ort dazu ist der Praia do Tonel.
Hier waren sie jetzt zum ersten Mal, die unzähligen Bretter mit Besitzer im Wasser, wartend auf die perfekte Welle. Wir waren glücklich und genossen die tolle Atmosphäre, in einer Strandbar mit dem obligatorischem Kaffee.
Ein weiterer Strand in Sagres ist Martinhal, den hatten wir bereits von den lieben Menschen in Tarifa empfohlen bekommen, denn hier sollte es die Möglichkeit geben zum Windsurfen.
Wir packten unsere Neos, Bikinis und Handtücher ins Auto und fuhren dorthin.
Es gab eine Surfschule, die ihr Equipment verleiht. Unser Zeitpunkt war gekommen. Ohne Surflehrer, einfach Brett und Segel leihen und das Gelernte selber ausprobieren.
Wir zogen uns am „Surfparkplatz“ um (machen hier alle so und wir gehören ja jetzt auch dazu ;)) und wanderten in Neoprenanzug mit etwas mulmigen Gefühl zur Surfschule. Wir wollten uns erstmal für eine Stunde aufs Wasser wagen. Zwei nicht ganz so sympathische Damen erklärten uns wie weit raus wir surfen dürfen und was es zu beachten gab und schon standen wir erneut auf einem Surfbrett!
Anfänglich ging es recht gut, die unterschiedlichen Windverhältnisse auf dem Wasser waren allerdings nicht zu unterschätzen, die Surflehrer kurvten mit einem Motorboot neben uns her und riefen Tipps zu.
Und dann fiel eine von uns relativ weit draußen vom Bord und es war nicht wirklich möglich, wieder in Strandrichtung zu segeln.
Also, aufs Bord legen und schwimmen.
Damit war die Stunde dann auch schneller vorbei als geplant, während die andere ganz gute Erfolge verzeichnen konnte.
Trotzdem stolz, beendeten wir den Tag mit einem Sagres auf unserem Platz…

Zu den tollsten Momenten des Reisens zählt ja immer wieder das Kennenlernen neuer Menschen. In diesem Fall war es unser Nachbar Patrick. Er kam eines Vormittags auf uns und fragte ob er seine Powerbar bei uns laden könne. Klar, kein Problem. Patrick ist mit dem Motorrad und Zelt unterwegs und hat den Lockdown in Marokko verbracht, inkl. Verdacht auf Corona. Er ist seit Jahren als Backpacker unterwegs und jetzt das erste Mal mit dem Motorrad. Er schreibt ebenfalls einen Blog „Rutis Reisen“ und hat einen Youtube-Kanal. Folgt ihm gerne, er hat tolle Erfahrungen und Eindrücke im Gepäck.
Mit Patrick haben wir mal einen ganzen Tag am Dicken verbracht, mit Kaffee, quatschen, Hängematte und viel Spaß. Außerdem saßen wir gemeinsam einsam im Restaurant des Salema Eco Cap, dort gab es W-LAN, und jeder hat seinen Blog geschrieben. Und, wir waren unterwegs, wir im Mietwagen und Patrick auf dem Motorrad. Wir sind ein Stück die Küste hochgefahren, zu einem der vielen Surfspots, in diesem Fall, Praia da Arrifana. Auf der Suche nach einem Restaurant sind wir ein bisschen die Klippen entlang gelaufen. Wir kamen an unfassbaren Schieferklippen an, so steil und beeindruckend, bis zu einem Parkplatz.
Und über den Parkplatz schlenderte, die Freundin die wir spontan auf dem Campingplatz getroffen hatten und die dort vor ein paar Tagen bereits abgereist war, sie war hier mit der Familie zum Essen, in dem Restaurant in dem wir auch einkehren wollten. Man man, was ist denn hier los, die Welt ist eben doch ein Dorf. Ein paar Stühle an den Tisch gestellt und in großer Runde die Sonne untergehen sehen und richtig guten Fisch gegessen, was will man mehr.

Wir haben uns mit dem Mietwagen auch nochmal ein bisschen zurück in Richtung Ostalgarve gemacht um uns den sagenumwobenen Strand von Benagil anzuschauen. Okay, da war mal was los, Unmengen von Kajak- und SUP-Verleihern sowie Bootstouren denn es sind eigentlich die Höhlen von Benagil die so sehr beeindruckend sind. Mit richtig viel Glück ergatterten wir noch einen Parkplatz oben auf der Klippe und so gingen wir einen der eingetretenen Pfade um die Klippen und kleinen Strände zu sehen. Und um durch ein riesiges Loch in der Decke der Höhle auf den dort untenliegenden Strand, die Boote, Kajaks, SUP-Boards und Menschen zu werfen. Ehrlich gesagt, oben gefiel es uns besser. Aber dort unten zu sein, wenn dort niemand ist, außerhalb der Saison oder sehr früh morgens, das muss sehr sehr schön sein.

Noch ein Traumstrand, die gibt es hier wie Sand am Meer, ist der Praia de Três Irmãos. Man klettert über in die Klippen geschlagene Treppen nach unten und kann dann durch kleine Höhlen zwischen den Strandabschnitten wandern. Die Farben, das Meer, einfach ein Traum. Aber zu dieser Zeit auch gut besucht. Wir waren im Meer und haben die Atmosphäre aufgesaugt und uns dann aber wieder aus den Menschenmengen verabschiedet. Das ist einfach nicht unsers, auch wenn es die schönsten Umgebungen sind, weniger Menschen, das ist mehr unser Ding. Und zu Corona-Zeiten erst recht.

Einen dieser Strandausflüge haben wir dann mit einem Besuch in Lagos verbunden, dem schönsten Städtchen an der Algarve, sagt man. Und ja, Lagos kann was. Vielleicht noch ein bisschen mehr, wenn man nicht in der Hochsaison da ist, aber wir wiederholen uns. Nein nein, fahrt hin, genießt den Hafen, schlendert durch die Stadt, die kleinen Gassen und die kleinen Shops. Hier findet man alles was das Herz begehrt. Inklusive kostenlosem Parken an der alten Stadtmauer. Ein perfekter Tag.
Meer, Strände, Windsurfen, Wellenreiter, wir können übrigens auch Inland. Mit dem Mietwagen ein Leichtes, denn man muss nicht immer mitdenken, ob der Dicke da durch dieses oder jenes kleines Örtchen passt und vor allem was man macht, wenn nicht. Das Wetter war windig, also nahmen wir einfach das Auto und fuhren los. Grobe Richtung Monchique, nur kleine Straßen um so viel wie möglich weg vom Tourismus zu sein und zu sehen. Einfach mal treiben lassen. Kleine Straßen durch die Berge, so viele verschiedene Grüntöne, alte Männer und Frauen vor kleinen Kneipen, Bauern, kleine Betriebe, hier ein Ziegenhirt und da Glockengeläut von Kuhglocken. Klingt traumhaft? Ist es übrigens auch. Wir wollten nichts bestimmtes sehen, irgendwo ein Kaffee wäre toll und dann irgendwann zurück, gerne nicht denselben Weg. Ehrlich gesagt, so richtig einfach ist auch das nicht, wo ist es schön, für den kurzen Kaffeestop, hier oder lieber noch fahren? Was ist eigentlich mit Abendbrot, brauchen wir lange zurück? Klingt nach Luxusproblem? Könnte sein, aber so ein Tag auf Reisen braucht auch irgendwie seine Struktur. Wir haben es dann doch ganz gut getaktet, hatten unseren Kaffee und befanden uns auf dem Rückweg auf einer Straße von der wir hofften, das sie uns zurückbringt. Kaum befahren, inmitten von Wäldern, wurden wir von einem Hirsch überrascht. Er schaute uns kurz an, sprang ins Feld, blieb dort aber nochmal stehen, um uns zu fixieren und dann seines Weges zu traben. Diese Momente haben immer etwas sehr einmaliges an sich.

An diesem Tag entschieden wir uns, noch einen Stop im Nachbardorf einzulegen. Burgau, keiner hatte uns erzählt, wie schön es dort ist. Wir gingen steile Straßen Richtung Strand, kamen an Restaurants vorbei, minimal, voll besetzt, es roch nach gegrilltem Fisch, es gab nur ein paar kleine Läden und dann kurz vor dem Strand an dem die Fischerboote lagen, kehrten wir ein, während sich der Himmel über dem Meer rosa färbte, tranken wir Wein und aßen Fisch.

Man oh man, wie lange waren wir auf diesem Campingplatz? Wir waren ja auch noch wandern. Ein Rundweg zwischen Bordeira und Carrapateira, ca. 5-6 km, je nachdem wie oft man von der sandigen Straße einen Abstecher an die Klippen macht. Ein Traum, am Besten am Nachmittag die Klippenseite nehmen, denn dann senkt sich bereits die Sonne und die Farben werden atemberaubend. Und Verweilzeiten einplanen. An den Klippen stehen oder sitzen, Störche beobachten, auf die Wellen schauen und den Gedanken freien Lauf lassen, oder noch besser, die Gedanken frei lassen. Mehr Freiheit geht nicht.

Kleine Anekdote zum Schluss: Der Mietwagen war super, ein Skoda Kombi. Lange Autos können wir!! Direkt am ersten Tag wollten wir zum Nachbarstrand, dort sollte es nicht so voll sein und man musste einen verschlungenen Pfad dorthin laufen. Wir hätten nach Schildern fahren können, wir haben jedoch Google Maps gefragt. Forget it! Erst durch einen Weg voller Schlaglöcher und so eng, die Büsche am Straßenrand hätten wir aus dem Auto heraus schneiden können und dann ab auf einen Berg, wieso Berg, wir wollten doch an den Strand?! Diesem Gedanken vor dem Wendemanöver folgend, hätte uns den Crash rückwärts gegen die Steine sicherlich erspart. Der Schock saß tief. Erster Tag Mietwagen, Schotterpiste mit Steinen, Angst um den Unterboden und am Ende noch mal schön mit dem Heck gegen die Steine. Große Autos, können wir. 🙂

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Petra Behrsing

    Ich hoffe der Autoschaden war nicht zu teuer?!
    Der Bericht und eure Fotos hat mir Portugal wieder sehr nahe gebracht. Das Licht ist einfach unbeschreiblich dort, man muss es erlebt haben.
    Lieben Gruß
    Petra

  2. Maresi

    Dem schließe ich mich an😊ich bin auch wieder eingetaucht in meine lange zurück liegenden Portugal-Erinnerungen 🦩

  3. Patrick

    Schöner Bericht. Hat mir sehr viel Spaß gemacht mit euch.
    Weiterhin gute Reise und Grüße aus mittlerweile Lissabon
    Patrick

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